Über meine Arbeit


Einziges Thema meiner Malerei ist FARBE - Farbe als essenziell wirksames Phänomen.

Farbe als Phänomen der Begegnung/Durchdringung von Licht und substantieller Materie.

Farbe in ihrer Flüchtigkeit, Wandelbarkeit, Vergänglichkeit und Leichtigkeit.

Farbe im Spannungsfeld zwischen materieller Erscheinung und immaterieller Wirksamkeit.

Ich arbeite inzwischen fast ausschließlich in Aquarellfarbe, da dieses Malmaterial die geringste Dichte und Transparenz aufweist, was der Lichtnähe von Farbe entspricht.

Und ich arbeite fast ausschließlich auf Papier, da es in seiner Verletzlichkeit dem essenziell Ephemeren des Phänomens „Farbe“ entspricht.

Die meisten Malereien sind in einer meditativen und aufwendigen Lasurtechnik entstanden, die zugleich eine hohe Transparenz und intensive Leuchtkraft der Farben ermöglicht.
Durch ihre vielschichtige Malweise intensivieren sich die Farben und sie scheinen zu vibrieren, zu fluktuieren - Farbe wird als Energie spürbar.

Um Arbeitsspuren noch weiter zu reduzieren und eine noch höhere Diffusität, Entgrenzung und Auflösung der Materialität der Farbe entstehen zu lassen, trage ich die Farbschichten seit ca. 2 Jahren nicht mehr mit dem Pinsel sondern mit einer Farbspritze auf.
So entfaltet sich die Farbe noch schwebender und losgelöster von der Materie.

Farbe als Lichtphänomen malerisch zu untersuchen impliziert den Verzicht auf definierte „Grenzen“ - Licht „strahlt“ unbegrenzt.
So arbeite ich in diffusen Farbverläufen und meist ist die einzige exakte „Grenze“ in den Arbeiten die - vorgegebene - Begrenzung des Malgrundes, des Bildraumes.
Da diese rein technische Begrenzung keinen inhaltlichen Bezug hat, bestehen die Arbeiten inzwischen meist aus farbigen Fragmenten, die im Weiß des Bildraumes erscheinen und vergehen - das entstandene Werk ist so nicht mehr ein in sich geschlossenes, definiertes „Bild“, sondern ein willkürlicher Ausschnitte aus einem größeren - nicht fassbaren und nicht definierbaren - Ganzen.

Hannah A. Hovermann, Juni 2015